Neurologin, Philologin, Linguistin, Bergmannskind, sozialdemokratische Christin. Bemüht um die Bewahrung der Schöpfung und des Friedens.

Alte Stadt am Hellweg
Joined July 2018
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Elon Musk hat heute sein Herz entdeckt. Es schlägt für russische Soldaten. Wie wird man eigentlich zum reichsten Mann der Welt, wenn es beim politischen Denken offenbar nicht einmal für die Grundausstattung gereicht hat? Elon Musk beklagt das Schicksal der armen russischen Wehrpflichtigen. Die hätten schließlich keine andere Wahl, als zu kämpfen und durch ukrainische Drohnen zu sterben. Wer sie dorthin geschickt hat? Wer diesen Krieg morgen beenden könnte? Wer seit Jahren ukrainische Städte bombardieren lässt? Alles Fragen, die Musks überragende Intelligenz offenbar überfordern. Die „poor kids“, die da angeblich „no choice“ haben, sind überwiegend keine Wehrpflichtigen. Russland setzt seit Jahren vor allem auf Vertragssoldaten und lockt mit hohen Prämien. Manche werden unter Druck gesetzt oder getäuscht, andere aus den Gefängnissen an die Front gekarrt. Aus dieser sehr unterschiedlichen Truppe macht Musk lauter Kinder ohne Wahl. Gemeinsam ist ihnen etwas anderes: Sie sind nicht in ein Unwetter geraten. Sie gehören zu einer Armee, die in ein Nachbarland einmarschiert ist und dort Wohnhäuser, Kraftwerke und Kinderkliniken angreift. Und diese Armee hat sehr wohl eine Wahl. Der Weg nach Hause ist bekannt. Sie hat ihn im Frühjahr 2022 schon einmal gefunden, von Kyjiw aus, unter etwas Druck. Das „endless slaughter“, das Musk so beklagt, endet an dem Tag, an dem sie ihn noch einmal nimmt. Dafür braucht es keine Friedensformel, kein Abkommen und keinen Post auf X, nur einen Rückwärtsgang. Bemerkenswert ist, wo Musks Mitgefühl verläuft. Es reicht bis zu den Männern, die angreifen. Wo war dieser warme Satz für die ukrainischen Kinder, die Russland verschleppt hat? Für die Menschen in Charkiw, Dnipro und Odesa, die nachts im Keller sitzen, während russische Drohnen ihre Häuser suchen? Die Drohnen, die Musk erwähnt, sind die Antwort auf diese Armee, nicht ihre Ursache. Wir erinnern uns: Derselbe Mann hat selbst zugegeben, dass er 2022 Starlink vor Sewastopol nicht freigeschaltet hat, als die Ukraine die russische Flotte angreifen wollte. Er wollte keine „major act of war“ unterstützen. Russlands Krieg war offenbar nicht major genug. Jetzt also „beide Seiten“. Ukrainer und Russen landen im selben Fleischwolf-Satz, als wären sie zwei Mannschaften, die sich leider nicht einigen können. Bemitleidet werden dann aber nur die Russen. Wer in diesem Krieg tatsächlich keine Wahl hatte, sind die Ukrainer. Niemand hat sie gefragt, ob sie überfallen werden wollen. Auch ukrainische Männer werden eingezogen, auch sie sterben durch Drohnen. Nur sitzen sie nicht im Land eines anderen, sondern verteidigen ihr eigenes. Ihr Rückwärtsgang endet nicht zu Hause, sondern in russischer Besatzung. Man kann mit Raketen auf dem Mars landen wollen und trotzdem auf der Erde nicht erkennen, wer hier wen überfallen hat. Für einen Genie-Bonus reicht das nicht. Für Sympathie mit dem Angreifer offenbar schon.
For anyone claiming to care about human life, the solution is simple: Russia, which started this unprovoked war, stops fighting and withdraws to its borders. The killing would end immediately
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Audi muss versuchen, den Strafzöllen von Trump durch Produktion in den USA zu begegnen. Ok. Aber der Audi-Vorstandsvorsitzende Göllner gibt diese Entscheidung Seite an Seite mit Trump kurz vor den Midterms bekannt. Das empfinde ich als Speichelleckerei, die Audi schaden dürfte.
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Vučić hat so deutlich die Wahl in Serbien verloren, dass er bereits die Niederlage eingestanden hat. Seine Idee als Staatsschef abzutreten und als Regierungschef die Macht zu übernehmen, ist gescheitert.
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Puh. Zwei Wahlen, und es ist nicht so schlimm gekommen wie befürchtet. In Serbien sogar deutlich besser. In Brasilien hat die Familie Bolsonaro jetzt in zwei Generationen gegen denselben Mann verloren, der morgen 81 wird. Irgendwann sollte man das Geschäftsmodell überdenken. 2022 verlor Vater Jair gegen Lula und wurde später wegen eines geplanten Staatsstreichs zu 27 Jahren Haft verurteilt. 2026 verliert Sohn Flávio mit 48,21 zu 51,79 Prozent – und verlangt prompt, das Wahlergebnis zu annullieren. Die Familientradition lebt weiter. In Serbien hat Vučić seine Niederlage immerhin eingeräumt. Fast zwei Jahre lang haben Studenten gegen Korruption und Machtmissbrauch protestiert, ausgelöst vom Einsturz des Bahnhofsvordachs in Novi Sad mit 16 Toten. Jetzt kommt ihre Liste nach ersten Hochrechnungen auf die absolute Mehrheit. Auf ihrer Liste stehen überwiegend Menschen, die bislang keine hohen politischen Ämter bekleidet haben: Hochschullehrer, Ärzte, Künstler und Aktivisten. Sie haben gegen ein System gewonnen, das seit 14 Jahren Medien und Staat im Griff hat. Das ist mehr als ein bemerkenswerter Erfolg. Trotzdem würde ich das Wort „weg“ bei Vučić noch mit Bleistift schreiben. Er ist Ende September als Präsident zurückgetreten, um als Spitzenkandidat anzutreten. Aus der Politik zurückgezogen hat er sich nie. Sein Apparat sitzt weiter in Medien, Verwaltung und Sicherheitsbehörden, und ein Apparat wählt sich nicht selbst ab. Auch Moskau hatte seine Finger im politischen Spiel. Putin machte vor der Wahl deutlich, wen er unterstützte. Die taz berichtete Anfang Oktober über eine neue russisch-serbische „Phantomliste“, die Vučić gegebenenfalls die Mehrheit sichern sollte. Diesmal hat es nicht gereicht. Wie viel Obstruktion zwischen Wahlabend und Regierungsbildung noch kommt, bleibt abzuwarten. Was mich bei aller Erleichterung beschäftigt: In beiden Ländern haben Millionen Menschen weiterhin für politische Kräfte gestimmt, deren Verhältnis zu demokratischen Institutionen man höflich als gestört bezeichnen kann. In Brasilien war es knapp die Hälfte, für den Sohn eines verurteilten Putschplaners. Natürlich gibt es dafür unterschiedliche Gründe. Nicht jeder Wähler ist manipuliert, nicht jede Stimme Ausdruck autoritärer Sehnsucht. Aber die Frage bleibt, wie viele Skandale und wie viele Warnzeichen es eigentlich braucht, bis sich Mehrheiten verändern. Und das betrifft längst nicht nur Brasilien und Serbien. Ich denke dabei auch an Deutschland und an die nächsten Monate. An die Propaganda, die uns aus allen möglichen Sprachrohren entgegenschlagen wird. Gestern haben zwei Wahlen gezeigt, dass autoritäre Kräfte nicht zwangsläufig gewinnen. Das ist erfreulich. Ob es auch beruhigend ist, werden wir erst sehen. Denn eine Wahl kann man verlieren, ohne die Macht aufgeben zu wollen. Was die Familie Bolsonaro darunter versteht, hat sie schon einmal gezeigt.
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